Johanna Perret (2.v.r.) und Tutia Schaad (2. v.l.) in ihren eigenen Entwürfen (Foto: Christian Schwarzenberg).

Ach weh… Ich weiß es schon seit ein paar Tagen. Perret Schaad hört auf und damit eine der schönsten und erlesensten deutschen Modemarken. Johanna Perret und Tutia Schaad riefen Kundinnen, Freunde und ihnen verbundene Journalisten persönlich an, um es ihnen mitzuteilen. Das ist ihr Stil: verbindlich, liebenswert und klar. Und so war auch ihre Mode. Sie gab der Trägerin das Gefühl, eine strahlendere Version ihrer selbst zu sein. Ohne sich darin zu verlieren. „Unser Anliegen und Talent war und ist es, Designs zu kreieren, die die Schönheit und das Selbstbewusstsein der Trägerin in den Vordergrund stellen“, schrieben die beiden in ihrer heute erschienenen Pressemitteilung. Das ist ihnen gelungen.

Ätherisch: Entwurf von Perret Schaad (Foto: Lea Nielsen).

Neun Jahre haben die beiden superbegabten Berliner Designerinnen zusammengearbeitet. Und sich hervorragend ergänzt. Kennen gelernt haben beide sich nach Abschluss ihres Modestudiums während eines Praktikums bei Givenchy in Paris. Und sie verstanden sich auf Anhieb. Etwas Pariser Flair zog mit ihnen in die deutsche Mode ein. Klare Farben in wunderbaren Harmonien, feingezeichnete Drucke und raffinierte, schmeichelnde Schnitte (tolle Röcke im Schrägschnitt zum Beispiel) – das war ihr Markenzeichen. Schlüpfte oder besser: glitt man in ihre Kleider hinein und schwebte nach draußen, wurde man eigentlich immer darauf angesprochen. Sie hatten einfach das gewisse Etwas. Und bewegten sich sehr angenehm jenseits der Mode. Die Entwürfe waren so gestaltet, dass sie sich von Saison zu Saison ergänzten. Nachhaltigkeit war beiden wichtig. Zudem produzierten sie alles in Deutschland.

Hannah Herzsprung in Perret Schaad (aus dem Lookbook „Archives“), Foto: Daniel Burchard.

Zum Glück handelten beide nicht aus der Not heraus und reihen sich nicht in die Reihe von Pleiten und Pannen der jüngeren deutschen Modegeschichte ein. Sie waren offenkundig einfach an einem Punkt angekommen, wo man entweder einen Investor holt oder aufhört. Und entschieden sich nach reiflicher Überlegung dafür, die Kollektionen einzustellen. „Dabei begleitet uns“, so schrieben sie weiter, „ein Gefühl von Zufriedenheit und Dankbarkeit, unser Label so lange unabhängig und frei von Dritten gehalten zu haben und dass wir uns dabei Freundschaft und Freude an unserer Arbeit bewahrt haben.“ Ein Abschied mit einem Lächeln also. Und das ist schon einmal sehr schön. Wir werden mit Sicherheit noch viel von den beiden hören. Doch ein Problem bleibt drängend: Was ziehen die vielen hübschen jüngeren deutschen Schauspielerinnen nun an, die fast durch die Bank weg ihre Kundinnen waren? (Alle Bilder: © Perret Schaad, Beitragsbild: Daniel Burchard.)

Hier geht es zur noch exisitierenden Website von Perret Schaad

Und hier zu einem hervorragenden Artikel meines Kollegen Alfons Kaiser in der FAZ über die beiden

Und hier ein Post über ihre letzte Kollektion