Fast fliegend: Entwurf in Egon-Schiele-Blau

Was kann weibliche Mode? Dinge hinterfragen? Den Feminismus neu beleben? Debatten anstoßen? All das wird ihr im Moment gerne zugeschrieben. Und dabei wird unterschlagen, dass Kleider vor allem zum Kaufen und Tragen hergestellt werden. Der Rest ist oft schlicht ein Marketing-Coup. Was Mode aber wirklich kann: Frauen ein Gewand geben, in dem sie sich selbstbewusst und stark fühlen, weiblich und souverän. Der Satz „What does a woman want?“ fand sich in den Notizen zu Albert Kriemlers phantastischer Akris-Schau. Ich durfte sie  vorgestern in Paris bei den Prêt-à-Porter-Schauen für den nächsten Herbst sehen. Und dachte danach, dass genau hier der Schlüssel zu gelungener Mode liegt. Wir wünschen uns Designer/innen, die danach fragen, was wir wirklich wollen. Die auf Empfang gehen statt ständig unpassende Parolen herauszublasen.

Der Satz stammt übrigens von Sigmund Freud, der seiner engen Freundin Marie Bonaparte die Frage stellte: „Was will eine Frau?“. Auf Freuds Umfeld, das Wien nach der Jahrhundertwende, bezog sich die Akris-Schau. Also auf eine Stadt im Aufbruch, und auch auf Gustav Klimt mit seinen glanzvollen Farben, Mustern und die von ihm entworfenen Reformkleider.

Auf Schieles neue eigenwillige Sicht auf Schönheit. Aber vor allem auf die vielen starken Frauen dieser Zeit. Die intellektuelle Journalistin und Salonnière Berta Zuckerkandl. Die Fotografin Dora Kallmus. Und die emanzipierte jüdische Gesellschaftsdame Adele Bloch-Bauer (sie war die Frau in Gold“ auf Klimts berühmtem Bild, das vor ein paar Jahren endlich an ihre Nichte zurückgegeben wurde).

Der Wunsch nach Freiheit und der Wille zur Funktionalität prägten jene Zeit. Und das nahm die Kollektion auf: Entwürfe in und für jede Bewegung, die die Haut sanft umhüllen und ihr Schutz geben oder die fliegend jeden Schritt begleiten. In denen man unverkrampft sitzen, stehen, laufen oder rennen kann und dabei noch eine tadellose Figur macht. Mäntel zum Wenden, Hosenanzüge, die fein, todschick und überhaupt nicht prosaisch wirken, Kleider, die fließen und auch richtig Spaß machen. In intensivem Kobaltblau und Smaragdgrün jeglicher Alltagsgräue trotzen.

Einfach alles sah großartig aus. Dass es zudem noch äußerst kunstvoll in feinsten Stoffen gearbeitet war, gehört zum Selbstverständnis des Hauses. Feine Spitze, üppiger Kaschmirstrick für Oversize-Pullover und große Schals, erlesene Stickereien für die Anzüge zum Beispiel oder Lammfell als Wendemantel gearbeitet. Mode kann was. Wenn sie sich auf das besinnt, wozu sie eigentlich da ist. Bilder: Akris (3).

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