Der Modemacher Dries van Noten (Foto: John Dolan)

Wie schön kann doch die Modewelt sein! Oft wirkt sie hektisch, überdreht, hysterisch. Der Film „Dries“ aber zeigt sie von ihrer allerbesten Seite. Die Liebe zum Handwerk, die Vielfalt von Stoffen, Stickereien, Mustern und Farben, die pralle, bunte Welt der Kreativität. Dries van Noten ist seit Jahrzehnten einer meiner absoluten Lieblingsdesigner. Ich liebe seinen offenen Blick auf die Welt, seine kühnes Mischen von Farben, Mustern und kulturellen Einflüssen. Und genau das zeigt der Dries-van-Noten-Film, der am kommenden Donnerstag (29.6.) in die deutschen Kinos kommt.

Der deutsche Dokumentarfilmer Rainer Holzemer durfte den Belgier über ein Jahr lang begleiten. Ein Novum, denn Dries van Noten gibt sich sonst extrem zurückhaltend. Der Regisseur musste ihn drei Jahre lang förmlich „bearbeiten“, bis er zu dem Film bereit war. Es hat sich gelohnt: Holzemer zoomt auf das Antwerpener Atelier und zeigt das Designteam während der Arbeit. Man erlebt die Vorbereitungen zu Van Notens magisch wirkenden Schauen in Paris. Und man beobachtet Dries und seinen langjährigen Lebensgefährten in ihrem wunderschönen Anwesen bei Antwerpen. Allein der Garten der beiden ist ein Gedicht. Immer wieder wird hier deutlich, dass gerade die Kombination des offensichtlich Schönen mit etwas zunächst Unscheinbaren einen besonderen Zauber erzeugen.

Dries van Noten wurde als Mitglied der Designergruppe Antwerp Six vor fast 30 Jahren berühmt. Er hat immer einen ganz eigenen Zugang zur Mode gehabt und sich nie irgendwelchen Trends angepasst. Stattdessen lässt sich der Modemacher von Kunstwerken, Filmen, Büchern oder Musik inspirieren. Sogar seine Stoffe und Stickereien entwirft er selbst. In kleinen Betrieben in Indien, mit denen er schon lange arbeitet, werden sie gefertigt. Dries van Noten verwirklicht hierbei „Fairtrade“ ganz ohne Siegel. Insgesamt bleibt er immer leise, in dem, was er tut. Schaltet keine Werbung, vermeidet jede Art von Personenkult um sich selbst und fügt sich nicht in den Wahnsinns-Rhythmus der Fashionszene ein.  „Mode ist ein leeres Wort“ sagt er irgendwann in „Dries“. „Wir müssen ein neues Wort dafür erfinden. Mir gefällt der Begriffe „Mode“ nicht, weil er für etwas steht, das nach sechs Monaten passé ist.“ Seine Entwürfe hingegen überdauern die Zeit, sind auch nach Jahrzehnten noch absolut begehrenswert. Etwas Besseres kann man sich von einem Designer eigentlich nicht wünschen (alle Bilder aus dem Film).