Will mann so rumlaufen? Look aus der Philipp-Plein-Schau (Bild: Philipp Plein).

Gerade laufen die Mailänder Herrenmodenschauen, und wie üblich ist mein Email-Fach voll mit grellen bunten, teils ziemlich hässlichen Laufstegbildern. Den Vogel schoss diesmal Philipp Plein ab, dessen Motto „The Billionaire’s Hotel“ geradezu einlud zu Protz- und Klotzmode. Die Models übten sich in einer Kotzbrocken-Attitüde in Angeberkleidung. Die Mode schwelgt (nicht nur hier) im Maximalismus. Schlechte Nachrichten, zumindest aus meiner Sicht. Die Meldung vor ein paar Tagen, dass Bottega-Veneta-Chefdesigner Tomas Maier geht, passt leider dazu. Wir entfernen uns immer mehr von dem, was man Stil nennt. Schlechter Geschmack ist gerade top. Hin geht es zu einer aufgeregten Mode, die sich immer mehr von jeglicher Nachhaltigkeit entfernt. Denn ihre Halbwertzeit wird dramatisch kürzer.

Tomas Maier galt als König der Diskretion und des leisen Luxus. Er wollte Dinge für eine kleine Ewigkeit machen. Leider schwindelerregend teuer, aber gedacht als Lieblingsstücke fürs und zum Leben. Brauchbar, sehr schön, subtil, haltbar, praktikabel. Und zeitlos. Viele Jahre lang zahlte sich das für die Marke auch aus. 2001 kam Tomas Maier zu Bottega Veneta und schaffte es binnen kurzer Zeit, die Umsätze immens zu steigern. Seine Kollektionen waren gleichbleibend gut, die Taschen auch. Und er selbst passte super zu der Marke. Klug, ziemlich bei sich und immer freundlich, wenn man ihn traf. Seit einiger Zeit läuft es bei Bottega allerdings nicht mehr ganz so rund. Die Umsätze gehen seit etwa zwei Jahren zurück. Dass gleichzeitig provokante „Schnellschuss“-Marken wie Vêtements und Off White mit banalem Streetwear zu Superstars wurden, kann kein Zufall sein. Erlesene Eleganz ist irgendwie „out“ seitdem.

Nochmal Philipp Plein (Bild: Philipp Plein).

T-Shirts und Hoodies im „Globetrotter“-Stil, Ikea-Taschen aus Leder oder fiese Crocs als Disco-Plateaus sind „in“. Alles Sachen, die nach einer Saison eigentlich in die Mülltonne wandern können. Denn sie werden nur vom Trendfaktor bestimmt und deswegen gekauft. Daher ist es auch kein Wunder, dass solche Entwürfe, wie ich kürzlich las, über Second-Hand-Plattformen kaum verkäuflich sind. Ihr Wert ist einfach sehr schnell dahingeschmolzen. Demna Gvasalia von „Vêtements“ rockt übrigens jetzt die traditionsreiche Marke Balenciaga ab und Virgil Abloh von „Off White“ ist der neue Chefdesigner für die Männermode von Vuitton. Und statt der geschmackssicheren Phoebe Philo schwingt Hedi Slimane das Zepter bei Céline. Gleichzeitig gibt es eine neue Logomania, der sogar die großartige Maria-Grazia Chiuri von Dior huldigt.

Superschade, all das. Doch es gibt einen Funken Hoffnung. Der neue Chefdesigner von Bottega – ein recht unbekannter Mann namens Daniel Lee – hat ab 2012 für Céline gearbeitet. Ein Phoebe-Philo-Alumnus also. Vielleicht, vielleicht bringt der den Stil wieder in Mode.

Website von Bottega Veneta

Hier kommt noch ein Ausschnitt aus der Schau der Kultmarke Palm Angels. Zum Glück nicht völlig geschmacklos, aber total banal. Hauptsache, das Logo ist sichtbar… (Video: Palm Angels)