Yoga und Kunst in einem Raum – kann das passen? Schließlich geht es bei dem einen um „Pratyahara“, den Rückzug der Sinne, bei dem anderen aber um deren Öffnung nach außen. In meinem Lieblings-Yogastudio, dem Y8 in Hamburg, vereinen sich die Gegensätze auf fast großartig zu nennende Art und Weise. Benita und Immanuel Grosser – für ihre Schüler Sita und Ram – versuchen nicht, zwischen den Welten zu vermitteln. Sie wagen es stattdessen, den Kontrast stehen zu lassen.

Im Raum steht, hängt oder liegt die Kunst in all ihrer Ernsthaftigkeit: Grafische Platten des Designers Ken Garland, eine Installation mit pinkfarbenen Balken und spiegelndem Boden von Gerwald Rockenschaub oder ein wehender Vorhang mit dem letzten Bild des 1975 auf hoher See verschwundenen Aktionskünstlers Bas Jan Ader. Und daneben, dazwischen, oder gar darauf (bei den Garland-Platten) üben wir Schüler, ganz in neutrales Weiß gekleidet, ziemlich konzentriert Yoga nach Swami Sivananda. Dass im Y8 der Yoga und die Kunst für sich allein oder miteinander funktionieren, liegt an der großen Leidenschaft, die die Grossers für beide Disziplinen empfinden. Beide sind Künstler, und beide sind überzeugte „Sivanandis“. Mit dem Y8 haben sie einen schönen, ruhigen Ort geschaffen, jenseits des nervtötenden Esoterik-Schickimickis, der so viele Studios prägt. Sita und Ram bieten neben Asana-Stunden auch Meditation an, ayurvedische Kochkurse, Workshops zur Yoga-Philosophie oder Körpertechniken und Einführungen in die anspruchsvollen Kunstinstallationen.  Manchmal gelingt es hier dem Yoga sogar die Fragen zu beantworten, die die Kunst stellt. Aber zum Glück eben nicht immer (Bilder: Y8, © George Tedeschi, Klaus Frahm).

KF1271-83

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